Seit Juli kennen mein Almanach und ich uns jetzt. Sowohl die Dicke des Buches als auch die “fehlenden” Seitenzahlen waren am Anfang gewöhnungsbedürftig, aber jetzt möchte ich nichts anderes mehr. Mit einem guten Notizbuch ist es wie mit manchen Menschen, die einem im Leben so begegnen.

Manchmal muss man sich erst miteinander unterhalten, um herauszufinden, was man am anderen hat. Manchmal trifft man Menschen im Alltag und denkt sich, dass man die Person niemals ansprechen würde. So ähnlich war es für mich mit dem Almanach. Als ich ihn damals bestellt habe, war ich erstmal neugierig, was daran so besonders ist. Ich habe in einem anderen Artikel schon gesagt, dass ich bisher immer Notizbücher von Leuchtturm und Moleskine hatte. Das waren für mich die heiligen Grale der Notizbücher und ich wollte das eigentlich nicht mehr ändern. Der Almanach hat mein Leben verändert und das hier wird wahrscheinlich einer der persönlichsten Artikel, die ich jemals geschrieben habe.

Fehlen mir die Seitenzahlen im Alltag wirklich? Die klare Antwort ist: “NEIN!!!”. Ich liebe die Freiheit, die mir der Almanach gibt. Wenn ich einen neuen Index anfangen möchte, mitten im Buch, kann ich das tun. Mir sind keine Grenzen gesetzt. Ich dachte am Anfang ich könnte mich nie daran gewöhnen, dass ich die Nummern der Seiten selbst eintrage, aber es funktioniert und es ist unheimlich befreiend. Auch hier passt der Vergleich mit Menschen sehr gut. Ich habe lange geglaubt, ich würde mich niemals trauen, auf Menschen zuzugehen, aber ich habe es geschafft und mein Mut wurde belohnt. So ist es eben auch mit Dingen, die man sehr lange immer gleich gemacht hat. Manchmal lohnt es sich, Dinge zu verändern. Zum Alten zurückzugehen ist immer möglich, aber wenn man merkt, dass einen das Neue weiterbringt, will man das Alte nicht zurück.

Was ist zur “Froschtasche” zu sagen? Vermisse ich meinen vollgestopften Buchrücken, der mir innerhalb kürzester Zeit mein Notizbuch zerstört hat und das Chaos? Nö, ganz klar. Ich kann mich mit dem Almanach auf das Wesentliche konzentrieren und habe jetzt nur noch ein einziges Foto in meinem Almanach in der Tasche hinten, weil es mir so wichtig ist. Es bedeutet mir die Welt. Aber dazu gleich nochmal mehr.

Jetzt will ich noch kurz was zur Dicke des Buches an sich sagen. Ich habe es normalerweise geschafft, in einem Monat 250 Seiten im Leuchtturm mit meinem Bullet Journal zu füllen. Dazu gehörten aber auch meine Unterrichtsnotizen, meine Gedanken im Daily Log und auch meine kompletten Tagebucheinträge, die manchmal vier oder fünf Seiten lang waren. Auch da hat mir der Almanach eine riesige Last abgenommen. Egal wieviele Seiten ich schreibe, durch den kleineren Abstand der Punkte bekomme ich mehr auf eine Seite. In eineinhalb Monaten habe ich erst 120 Seiten gefüllt und das macht mich mehr als zufrieden. Ich kann meinem Almanach alles erzählen, ohne dass ich Angst haben muss, dass er von mir genervt ist. Soll im Umkehrschluss heißen, ich kann meinen ganzen Ballast in meinem Notizbuch loswerden, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Es gibt eben auch Menschen, denen kann man wirklich alles erzählen, ohne dass sie genervt sind.

Und jetzt nochmal zurück zu dem Foto in der Tasche hinten im Almanach. Es ist ein besonderes Foto, weil es einen Moment festhält, der mir die Welt bedeutet. Es ist einem Menschen gewidmet, der mir sehr wichtig ist. Er ist ein Teil meines Lebens geworden und auch wenn es schwierig ist, bedeutet das nicht, dass man aufgeben muss. Auch wenn es mit dem Bullet Journal mal schwierig ist, bedeutet das nicht, dass man aufgeben muss. Dann muss man sich nur überlegen, warum man damit angefangen hat. Genauso wie mit einer Freundschaft. Es gibt einen Grund, warum man angefangen hat, einem Menschen zu vertrauen. Das ändert sich nicht dadurch, dass der Alltag einen einholt oder andere Menschen die Situation erschweren. Höre ich mit dem Bullet Journal auf, weil sich andere über mich lustig machen? Nein. Genauso wenig gebe ich einen Menschen auf, dem ich mein Leben anvertraut habe, nur weil Dinge passieren, die ich gerade nicht einordnen kann. Vertrauen braucht keine Worte, manchmal reichen Blicke oder Zeit.

Das ist eine Zeichnung von mir, die einen Moment festhält, der für mich wie eine liebevolle Umarmung war und mein Leben gerettet hat.

So wie ich mich mit diesem Bild auf das Wesentliche konzentriert habe, ist es mir mit dem Almanach und dem Bullet Journal an sich gelungen, die Kontakte in meinem Umfeld, auch virtuell auf die Menschen zu beschränken, die mich verstehen und mir zuhören. Ich brauche keine Menschen, die mich auslachen, weil ich mein Notizbuch liebe und alles mit ihm teile. Ich brauche keine Menschen in meinem Leben, die nicht verstehen können, warum ich mich mit mir und meiner Vergangenheit auseinandersetzen musste, die nicht verstehen, warum ich meine Gegenwart ordnen will und endlich meine Zukunft gestalten möchte. Mit der Liebe zum Bullet Journal ist die Liebe zu Menschen, die mich nicht verstehen gegangen. Mit der Liebe zum Almanach, habe ich mich von Menschen getrennt, die mir nicht zuhören wollen.

Jetzt kannst du dich fragen, was das mit diesem Notizbuch, dem Almanach zu tun hat. Diese Frage kann ich dir leicht beantworten. Weil hinter Mr. Almanach ein besonderer Mensch steht, der mir durch Zufall begegnet ist. Unsere Wege haben sich bei einer Person gekreuzt, die das Bullet Journaling genauso lebt, wie Rainer und ich. Das Wissen, endlich verstanden zu werden und die Liebe zum Bullet Journal zu fühlen, macht diese Begegnung zu etwas ganz Besonderem. Es gibt ein chinesisches Wort, das dieses Gefühl nicht besser beschreiben kann. Das folgende Bild spricht für sich.

Eine Beziehung, die durch Zufall entstanden ist. Die bindende Kraft zwischen zwei Menschen.

Diese bindende Kraft ist im Fall des Almanachs die Liebe zu Papier, zum Buchbinden und zum Bullet Journal an sich, aber auch das Wissen, wie es ist nicht verstanden zu werden. Ich kann nichts anderes sagen als DANKE, dafür dass der Almanach mich von der Last meiner Vergangenheit befreit und diese Begegnung mit dem Menschen hinter dem Notizbuch wohl doch kein Zufall war. Das sollte so sein. Wenn man den Mut hat, Menschen anzusprechen, von denen man denkt, dass sie einen verstehen können, wird man nur enttäuscht, wenn man zu viel erwartet. Ich habe nichts erwartet und mein Leben ist durch zwei Menschen unendlich bereichert worden. Das passt auch zu meinem Monatsthema: Inspiration. Manchmal ist die Inspiration direkt vor deiner Nase. Du musst sie nur sehen und annehmen. Es tut so gut Dinge zu verändern und dann zu verstehen, dass nicht alles so sein muss, wie es immer war. Nur weil man früher von Menschen enttäuscht wurde, heißt das nicht, dass das für immer so sein muss. Manchmal findet man auch einfach Menschen im Leben, die es verdienen, dass man ihnen vertraut. Ich habe diese Menschen in meinem Leben endlich gefunden und kann das nur mit dem letzten Bild dieses Beitrags zusammenfassen:

Deine Madlen