Meine Gedanken kreisen und meine Gefühle fahren Achterbahn. Das ist mein Alltag, aber es wird besser. Warum? Weil ich ein Bullet Journal habe. Du fragst dich jetzt sicher, ob das ein philosophischer Beitrag ist, weil im Titel das Wort Philosophie vorkommt. Ist es nicht oder vielleicht doch ein bisschen. Am Ende liegt es an dir, das für dich zu entscheiden.

Immer wieder habe ich mir Gedanken gemacht, was wäre wenn. Was passiert, wenn ich jemanden auf ein Problem anspreche? Was ist nach einem Streit mit der Beziehung zu einem Menschen? Mir fallen noch hunderte Situationen ein, in denen ich dieses „Was-wäre-wenn-Spiel“ getrieben habe. Ich hatte dadurch aber keinen Mehrwert, außer dass ich mir den Kopf zerbrochen habe über Dinge, die am Ende nicht so waren, wie sie am Anfang schienen.

Was hat mir aber geholfen diesen Algorithmus in meinem Kopf zu durchbrechen und mein Mindset zu ändern? Gedankenexperimente und das Mindboard.

Jetzt fragst du dich bestimmt: “Was ist ein Mindboard und was sind Gedankenexperimente?”

Gedankenexperimente

Meine Basis für diese Erklärung ist das Buch “Philosophische Gedankenexperimente” von Georg W. Bertram, erschienen 2012 im Reclam Verlag. Bei Gedankenexperimenten geht es um Dinge und Situationen, die so nicht bestehen. Dabei sollen Zusammenhänge mit der Realität hergestellt werden. Dabei kann man sich folgende Fragen stellen:

  • Was kann ich wissen?
  • Was soll ich tun?
  • Was wird passieren?
  • Was bedeutet das für mich?

Diese Fragen habe ich für das Mindboard abgewandelt. Ich zeige dir hier ein Mindboard, dass ich für mich als Vorlage erstellt habe.

Das Mindboard

© Madlen Peilke, 2020.

Hier siehst du auch die Fragen, die ich mir zu einer Situation stelle. Nehmen wir das Beispiel eines Gespräches, nachdem ich einen Streit mit jemandem hatte.

Ich frage mich:

  • Was möchte ich sagen?
  • Was denke ich?
  • Was fühle ich?
  • Was kann passieren?
  • Was ist wirklich passiert?

Die Frage, was passieren kann, ist dabei das Gedankenexperiment. Dabei spiele ich die Situation durch. Ich denke darüber nach, was im schlimmsten Fall passieren kann. Ich weiß, wie die Person ist, also kann ich mir überlegen, wie sich die Person normalerweise mir gegenüber verhält. Im schlimmsten Fall redet derjenige nicht mehr mit mir und die Freundschaft ist beendet. Aber was ist die Erkenntnis daraus? Er hat mich nicht verdient.

Das klingt jetzt vielleicht hart, aber das habe ich in der letzten Zeit vor allem gelernt. Wenn ich etwas Falsches gesagt habe und mich dann dafür entschuldige, ist jemand der deshalb geht meine Freundschaft nicht wert. Niemand von uns ist perfekt und es gibt diesen Menschen nicht, der von sich sagen kann, dass er ohne Fehler ist.

Wenn ich mir dann aufschreibe, was wirklich passiert ist, versuche ich so realistisch wie möglich meine Wahrnehmung zu schildern. Das ist nicht immer einfach, aber es hilft mir auch die Realität wahrzunehmen und mich nicht immer nur auf mein Gefühl zu verlassen.

Was aber bringt mir diese Vorgehensweise? Zugegeben, keine Situation in unserem Leben ist wie die andere. Es gibt immer wieder Momente, die anders sind. Entweder geht es um einen anderen Menschen oder um ein anderes Thema. Ich kann aber aus meinen Erlebnissen Dinge für die Zukunft ableiten. Ich möchte das nochmal kurz an einem Beispiel festmachen.

Ich habe in meinem Leben immer wieder Ablehnung erfahren. Wenn jemand heute etwas sagt oder tut, beziehe ich das ganz schnell auf mich, was unheimlich frustrierend ist. Das bedeutet immer wieder, dass ich denke, dass jemand etwas sagt oder tut, um mich damit zu verletzen. Das stimmt natürlich nicht immer. Vor einigen Wochen habe ich die Erfahrung gemacht, dass jemand eine Sache abgelehnt hat, nicht aber mich. Ich habe in Gedanken das schlimmste Szenario durchgespielt, dass es überhaupt nur geben kann.

Das Ergebnis des Gespräches war, dass eigentlich alles in Ordnung war und die Aussage nichts mit mir zu tun hatte. Das zu wissen, hat mir gezeigt, dass ich nicht immer denken muss, dass ich gemeint bin. Und für die Zukunft bedeutet das, dass ich in ähnlichen Situationen erst einmal an diese Situation denken kann und dann weiß, dass alles gar nicht so schlimm ist, wie es auf den ersten Blick aussieht. Und das ist ein beruhigendes Gefühl.

Wenn man als Kind immer wieder gelernt hat, dass es normal ist verlassen zu werden, muss man als Erwachsener erst einmal lernen, dass man nicht mehr das Kind ist, das verlassen wird. Ich habe es selbst in der Hand, wie die Menschen mit mir umgehen und wo ich meine Grenzen ziehe.

Leider habe ich auf meinem Blog nicht die endlose Möglichkeit zu erklären, was das Bullet Journal alles kann, aber dieser Artikel sollte das wieder einmal mehr zeigen. Die Philosophie hinter dem Bullet Journal ist vor allem, jemandes Gedanken zu ordnen und durch geordnete Strukturen im Kopf den Alltag besser bewältigen zu können. Zugegeben, jeder von uns hat Stress und es gibt immer mehr Dinge, die auf uns einströmen. Das bedeutet aber, dass Menschen, die eine traumatische Vorgeschichte haben, doppelt kämpfen müssen jetzt nicht zu zerbrechen. Dinge aufzuschreiben, die im Kopf und auch im Herzen vorgehen, ist dabei einer der Wege, die ich jedem nur ans Herz legen kann. Und dabei ist es egal, ob das im Bullet Journal passiert oder einfach in einem Tagebuch.

Wann immer du diesen Artikel liest, wünsche ich dir einen schönen Tag, einen schönen Abend oder eine gute Nacht.